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Phoenix- Insolvenzverwalter im Interview mit ARD-Börse am 16. April 2005

Die Insolvenz der Phoenix Kapitaldienst GmbH ist einer der spektakulärsten Finanzskandale seit Jahrzehnten. Erstmals spricht nun der Insolvenzverwalter über die schwierige Suche nach dem verschwundenen Geld.

Vor gut einem Monat zog die BaFin nach einer Selbstanzeige des Phoenix-Managements die Reißleine und verbot die weitere Geschäftstätigkeit. Die Insolvenz folgte auf dem Fuße. Seitdem versucht der vorläufige Verwalter Frank Schmitt, Licht ins Dunkel der echten und falschen Finanzströme bei Phoenix zu bringen. boerse.ARD.de sprach mit ihm über den Stand der Ermittlungen.
boerse.ARD.de: Herr Schmitt, Mitte März ging Phoenix Kapitaldienst in Insolvenz. Seitdem wird viel über das Ausmaß der Schäden spekuliert. Kürzlich war zu lesen, dass Sie bisher unbekannte Phoenix-Konten mit 200 Millionen Euro entdeckt haben – können Sie das bestätigen?

Schmitt: Ja, aber man kann jetzt nicht sagen, dass wir Konten tatsächlich gefunden haben. Das wäre ziemlich anmaßend. Wir haben uns hierbei an der Buchhaltung orientiert. Phoenix hatte in Deutschland, aber auch im europäischen Ausland verschiedene Konten geführt. Allerdings mussten wir diese zunächst konkret identifizieren. Im weiteren galt es, die ausländischen Banken zu überzeugen, dass wir wirklich die Insolvenzverwaltung sind. Das war gar nicht so einfach. Diese Banken waren vor dem aktuellen Hintergrund sehr vorsichtig mit der Herausgabe von Konteninformationen, insbesondere mit dem von uns geforderten Transfer der Gelder auf unsere für die Verfahrensabwicklung eingerichteten Anderkonten.

boerse.ARD.de: In den ersten Tagen nach der Insolvenz hieß es, 500 Millionen Euro seien verschwunden. Muss diese Schadenssumme nun nach unten korrigiert werden?

Schmitt: Wenn wir von dem ausgehen, was Anleger netto eingezahlt haben, dann sind wir etwa bei 500 Millionen Euro. Dies muss allerdings noch konkret überprüft werden. Davon haben wir zwischenzeitlich ca. 200 Millionen Euro gesichert. Bei Phoenix gab es aber dieses Sammelkonto im Zusammenhang mit dem Managed Account, das eigentlich gar nicht existierte. Der Jahresabschluss 2004 hat dort fiktiv etwa 650 Millionen Euro ausgewiesen. Dieser Betrag kommt wiederum durch die fiktiven Gewinne zustande, mit denen Phoenix gerechnet hat. Es wurde jedoch kaum etwas tatsächlich „als Anlage“ angelegt. Demzufolge hat es auch die versprochenen Renditen nie gegeben. Wenn wir also von dem ausgehen, was die Anleger eingezahlt haben, dann ist der Schaden nicht so groß. Auf der anderen Seite haben die Kunden monatliche Kontenauszüge bekommen. Aus deren Sicht müssen also auch die fiktiven Gewinne zur Schadenssumme gezählt werden.

boerse.ARD.de: Es kommt also darauf an, ob allein die eingezahlten Anlegergelder als Schaden betrachten werden oder auch die fiktiven Gewinne. Vom ersten Tag an lag ja der Verdacht in der Luft, dass Phoenix mit einem Schneeballsystem die Anleger abgezockt hat. Hat sich das aus Ihrer Sicht bestätigt?

Schmitt: So wie wir das sehen, ist wirklich ganz wenig Geld als Anlage angelegt worden. Phoenix hat die neuen Anlegergelder genommen, um Auszahlungswünsche von Kunden zu befriedigen und sonstige Kosten zu decken.

boerse.ARD.de: Wissen Sie, wie lange das Schneeballsystem bei Phoenix existierte?

Schmitt: Das kann bis 1996 oder weiter zurückgehen. Aber auch das ist etwas, was unsere Arbeitsgruppe " forensic services" bei der Zahlungsflussanalyse aufdecken soll. Wir bauen eine Datenbank auf. Dort werden wir buchen, welche Anleger, wann Geld eingezahlt haben und was damit passiert ist. Und so arbeiten wir uns allmählich vor. Ich denke, irgendwann sind wir an dem Punkt, an dem das alles begonnen hat. Bei den meisten Schneeballsystemen ist es so, dass gerade am Anfang sehr viele Gelder herausgenommen werden. Nachher, wenn das läuft, entsteht das Problem, das Schneeballsystem zu bedienen. Es wird immer mehr Geld gebraucht, weil immer mehr Anlegern immer höhere Renditen versprochen wurden. Insofern ist es also sehr wahrscheinlich, dass der Anfang des Betrugssystems einige Jahre zurückliegt.

boerse.ARD.de: Auf welche Vermögenswerte können Sie bei dem insolventen Wertpapierhaus noch zurückgreifen? Sind das ausschließlich Geschäftskonten oder auch Privatkonten, zum Beispiel der Erben des vor einem Jahr tödlich verunglückten Phoenixchefs Breitkreuz?

Schmitt: Nein, das sind alles Konten der Phoenix. Mit privaten Konten der Erbengemeinschaft hat das nichts zu tun. Es gibt bei der Phoenix noch eine Beteiligung an einer dänischen Gesellschaft. Das recherchieren wir alles noch. Aber das ist es dann auch. Es sei denn, dass man uns bestimmte Beteiligungen vorenthalten hat und wir da oder dort noch auf etwas stoßen. Das will ich natürlich nicht ausschließen. Für uns ist es schwierig, dass es Herrn Breitkreuz Senior nicht mehr gibt. Den könnten wir vieles fragen. Eine andere Frage wäre dann natürlich, ob er da uns bzw. der Staatsanwaltschaft in jedem Fall antworten würde.

boerse.ARD.de: Sie sprachen bereits die Datenlage an. Wie stellt sich denn diese für Sie aktuell dar?

Schmitt: Unsere Hauptarbeit lag in den ersten zwei, drei Wochen in der Datensicherung und dem Erfassen von Sachverhalten. Jetzt kommen wir zunehmend auch in Details. Wir bauen eine gesonderte Datenbank auf. Und da müssen wir auf Daten der Phoenix zurückgreifen, die wir einpflegen. Das wird wohl für die Jahre 2000 bis 2004 relativ unproblematisch sein. Das Problem ist, dass Phoenix in dem zu betrachtenden Zeitraum zwei Mal, 1998 und 2000, das EDV-System bzw. die Software gewechselt hatte. Für 1998 bis 2000 wird es deshalb schon problematisch, die Daten zu übernehmen. Besonders schwer wird die Sache für den Zeitraum vor dem ersten EDV-Wechsel von 1998 rückwirkend. Eventuell wird es erforderlich sein, dass wir händisch die Buchhaltung über Jahre zurück eingeben müssen. Und das wird dann entsprechend langwierig.

boerse.ARD.de: Als ehemaliger Verwalter der Flowtex haben Sie Erfahrungen mit der Abwicklung einer Kriminalinsolvenz sammeln können. Im Fall Phoenix müssen Sie ebenfalls mit den Ermittlern kooperieren. Haben Sie denn Zugriff auf alle Unterlagen oder sitzt da die Staatsanwaltschaft drauf?

Schmitt: Nein, das ist bisher sehr angenehm, dass wir auf die gesamten Unterlagen zugreifen können. Es wäre für uns natürlich ganz, ganz schwierig, wenn die Beschlagnahme so gelaufen wäre, dass da alles örtlich entfernt worden wäre. Aber das muss auch nicht sein, soweit ein Vertrauensverhältnis besteht und eine Arbeitsabstimmung erfolgt. Unsere Arbeit und unsere Recherchen werden der Staatsanwaltschaft vollumfänglich offengelegt. Eine Beschlagnahme kann erfolgen, ohne dass Akten rein tatsächlich örtlich entfernt werden. Voraussetzung ist zunächst, dass die Akten gesichert sind. Im Fall Flowtex haben wir regelmäßige Sitzungen mit der Staatsanwaltschaft und Kripo durchgeführt. Für die Behörden war damals wesentlich, dass wir Dinge, die uns auf der Ebene der Ermittlungen aufgefallen sind, natürlich auch erstmal zur Staatsanwaltschaft tragen. Andererseits haben uns auch Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft weitergeholfen.

boerse.ARD.de: Gibt es etwas, das Sie im Laufe Ihrer Recherche besonders überrascht hat?

Schmitt: Was einen natürlich überrascht, ist, dass so ein System so lange existieren kann. Wenn da mal ein Fachmann auf das Konto geschaut und mit den täglichen und monatlichen Auszügen abgeglichen hätte… Was über dieses Konto angeblich gehandelt wurde! In dem dort angegebenen Umfang hätte Phoenix teilweise 90 Prozent des weltweiten Angebots einer Ware gehandelt. Es ist also nachvollziehbar, das bestimmte Waren an einem Tag so gar nicht bzw. nicht in der Menge gehandelt worden sind. Wie so etwas über Jahre hinweg funktionieren konnte, also das ist schier unglaublich.

 

Quelle: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_91889



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